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Kirchenführer

 Beide Kirchenführer sind im Schriftenstand oder im Pfarreisekretariat erhältlich.


 Auszug aus dem Führer zur St. Martinskirche:

 Das alte katholische Olten auf der linken Aareseite
 Wer von der Froburg oder vom Sälischlössli auf den jahrhundertealten Brückenkopf an der Aare hinunterblickt, sieht in der Nähe der malerischen, gedeckten Holzbrücke ein weiteres Wahrzeichen der Altstadt, den sogenannten «Stadtturm» von 1521. Mit seiner barocken Kuppelhaube aus dem späten 17. Jahrhundert steht er an der Stelle, wo seit dem Frühmittelalter eine St. Martinskirche bezeugt ist. Im ehemaligen spätrömischen Kastell werden wir hier bis an die Anfänge der Christianisierung unseres Landes zurückgeführt, die mit dem hl. Martin von Tours aus Gallien aufs engste verbunden ist. Der einstige Eingangs- und Glockenturm gehört zu einer Pfarrkirche, die nach dem Neubau ausserhalb des Altstadtrings 1844 abgetragen wurde.
Der Blick wandert weiter zu den beiden Türmen der klassizistischen Stadtkirche St. Martin, die 1806-1813 nach Plänen von Johann Jakob Purtschert errichtet wurde und seit 1900 der christkatholischen Kirchgemeinde gehört. Bei der Aare am Rande des historischen Zentrums sehen wir an kirchlichen Bauten weiter das Kapuzinerkloster, das 1648 gestiftet wurde. Der schlichte Dachreiter auf der kleinen Kirche gehört zu diesem typischen Bau des franziskanischen Bettelordens.
 Der dritte Standort für eine Martinskirche in der Stadt
 Die beiden herausragenden dunklen Spitztürme der imposanten römisch-katholischen St. Martinskirche gehören zu den eindrücklichsten Bauten der Dreitannenstadt.
Nach den ungeheuer emotionalen und äusserst schmerzlichen konfessionellen Konfrontationen des Kulturkampfes hatten sich in Olten 1874 christkatholische und römisch-katholische Kirche getrennt. Die römisch-katholischen Gottesdienste mussten künftig im Privathaus des Johann Baptist Büttiker an der Solothurnerstrasse gefeiert werden. Der Bau einer eigenen Kirche und eines neuen Pfarrhauses drängten sich auf. Am 23. August 1875 wurde der Grundstein für die geostete, neugotische «Notkirche» gelegt, die bereits am 20. August des folgenden Jahres im Auftrag des Diözesanbischofs Eugène Lachat von Pfarrer Peter Bläsi eingeweiht werden konnte.
Die gewaltige Entwicklung des einstigen verträumten Passstädtchens am unteren Hauenstein im Zeitalter der Eisenbahn und der Industrialisierung führte zu einem immer grösseren Anwachsen des römisch-katholischen Bevölkerungsteils. Schon 1894 wurde ein weiterer Baufonds eröffnet. Dank dem enormen Opferwillen aller Bevölkerungsschichten konnte die nun privatrechtlich organisierte, römisch-katholische Gemeinschaft am 26. Juli 1908 den Grundstein legen für eine zweite St. Martinskirche am dritten Standort in Olten.
Nach Plänen des damals bedeutensten Kirchenbauers, des St. Galler Architekten Augustin Hardegger (1858-1927), wurde ab 1908 südlich der Notkirche in entgegengesetzter Richtung mit der Fassade zur Stadt hin bei der Ringstrasse die heutige St. Martinskirche errichtet und an der traditionellen Oltner «Chilbi» des zweiten Augustsonntags, am 14. August 1910, von Diözesanbischof Jakob Stammler feierlich eingeweiht. Die Gesamtkosten betrugen damals exakt Fr. 546'552.45.
In den Jahren 1986-1992 erfuhr die Kirche nach Plänen des bekannten Architekturbüros Josef und Gabriel Wey AG aus Sursee eine umfassende Gesamtrenovation mit Kosten von über 6 Mio. Franken. Während dieser Zeit war die römisch-katholische Pfarreigemeinschaft von St. Martin in einem von beiden Seiten sehr geschätzten Zeichen der konfessionellen Versöhnung von 1990-1992 zu Gast in der christkatholischen Stadtkirche.
 Kirchenschatz
 Am 26. April 1897 hatten sich die christ- und die römisch-katholische Kirchgemeinde über die Aufteilung des Kirchenschatzes einigen müssen, entsprechend dem rein männlichen Stimmregister im Verhältnis 5:2. Zum wertvollen alten Inventar gehörte die damals von den Christkatholiken beanspruchte, sogenannte «Oltner Madonna». Sie war 1750 durch den Augsburger Goldschmied Joseph Ignaz Saler in reinem Silber angefertigt worden. Aufgrund der letztwilligen Verfügung eines privaten Erwerbers befindet sie sich heute im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich.
Unserer Kirchgemeinde verblieben von den wertvollen alten Kultgegenständen zwei barocke Reliquiare, ein Kreuzesreliquiar, der sogenannte «Wettersegen», und das Reliquiar des hl. Martin von Tours. Dieses enthält eine Handpartikel des grossen gallischen Heiligen, welche unserer Kirche 1950 vom Erzbischof von Tours geschenkt wurde, dank der Vermittlung eines gebürtigen Oltners, des damaligen Nuntiatursekretärs in Paris und späteren Apostolischen Nuntius in England, Erzbischof Bruno Bernhard Heim, sowie seines Vorgesetzten, Erzbischof Angelo Giuseppe Roncalli, des nachmaligen Patriarchen von Venedig und späteren Papstes Johannes XXIII. Beide Reliquiare konnten 1999 dank dem aufgelösten Betzeitglockenfonds in ihre alte Pracht zurückversetzt werden.
Barock sind auch ein Messkelch samt Patene, ein Vortrags- und ein silberbeschlagenes Grabkreuz mit der Jahrzahl 1695, beide im Jahre 2001 restauriert. Auf dessen Fuss umgeben zwei Stifterwappen die bischöfliche Statue des hl. Martin mit dem Bettler. Ebenfalls aus der Barockzzeit stammen ein Rauchfass mit Schiffchen und zwei versilberte Kerzenständer. Aus der Zeit des Kirchenbaus datieren eine Monstranz, eine Pyxis für die grosse Hostie, ein Ziborium mit Stiftungsvermerk, ein Messkelch mit Patene sowie ein Rauchfass mit Schiffchen.
 Katholischer Ausblick ins dritte christliche Jahrtausend
 «Mein Haus ist ein Haus des Gebetes für alle Völker.» Diesen Satz aus Jes 56,7 lesen wir weltweit über dem Eingang aller jüdischen Syagogen. Im Neuen Bund versucht die römisch-katholischen Kirche in universaler Weite eine Antwort zu geben auf die weltumgreifende Liebe Gottes zu uns Menschen in seinem Sohn Jesus Christus. In der St. Martinskirche können wir den Geist der biblischen und der christlichen Tradition spürbar einatmen. Möge die Kirche des hl. Martin von Tours unseren Gläubigen ein festes Haus des Gebetes sein und zugleich eine offene geistliche «Stube» für die ganze multikonfessionelle und multireligiöse Stadt Olten in ihrer grossen kulturellen Vielfalt, ein Ort der frohen Botschaft für alle «Menschen guten Willens» (Lk 2,14)!
Olten, Ostern 2001 P. Hanspeter Betschart, Pfarrer zu St. Martin

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